BLACKkKLANSMAN

USA 2018 / 136 Minuten

Regie : Spike Lee

Darsteller : David Washington, Adam Driver

 

Spike Lees neuer Film ist eine kraftvolle Mischung aus Thriller und Satire und erzählt die wahre Geschichte eines afro-amerikanischen Polizisten, der sich Ende der 70er mithilfe seiner Kollegen in den Ku-Klux-Klan einschleust.

Colorado Springs, 1978: Ron Stallworth tritt als erster afro-amerikanischer Polizist in der Stadt seinen Dienst an – und wird sofort ins Aktenarchiv versetzt. Von Tatendrang beflügelt bietet Ron sich seinen Vorgesetzten als Undercover-Agent an. Ein Wunsch, der sich nur allzu schnell erfüllt. Denn als ein Vertreter des Ku-Klux-Klans am Telefon denkt, Ron Stallworth sei ein patriotisch-rassistisch denkender Weißer, kommt dieser auf die Idee, den Klan zu infiltrieren. An sich ein guter Plan. Doch wie soll sich ein Mann mit dunkler Hautfarbe in eine Organisation einschleusen, deren Mitglieder so weiß sind wie die Kapuzen, die sie tragen? Dass sich Stallworth während seiner Untersuchungen in die Anführerin der Black-Power-Studentenbewegung verliebt, macht natürlich alles noch komplizierter. Was sich anhört wie eine überzeichnete Groteske, basiert auf Tatsachen. Spike Lee erzählt die wahre Geschichte als packenden und wortgewaltigen Thriller, der durch eine genaue Konstruktion der Ereignisse nicht nur viel über die Vorgänge innerhalb des Klans offenbart, sondern auch auf bitterböse Weise den Geist eines Teils der amerikanischen Gesellschaft offenlegt. John David Washington als Ron ist cool, lässig und seinen Gegnern, die sich auch in den eigenen Reihen der Polizei befinden, an Intelligenz und Eloquenz absolut überlegen. Und doch spürt man die Angst des jungen Mannes, der als Polizist die Gesellschaft beschützen will – und durch seine Hautfarbe von einem Teil eben jener Gesellschaft immer abgelehnt wird. Neben Washington überzeugt auch der Rest des Ensembles, allen voran Adam Driver als Rons Kollege, der sich als „Gesicht“ Rons in den Klan einschleusen lässt und Topher Grace als KKK-Anführer David Duke, in dessen unfreiwillig komischen Aussagen sich die gesamte Beschränktheit des Denkens offenbart, die sich auch bei vielen Mitgliedern wiederfindet. Für die Erzählung lässt sich Lee Zeit und baut sorgsam den Spannungsbogen auf, um ihn dann gegen Ende in einem gewaltigen Showdown zu entladen. Das perfekte Setting, der kongeniale Soundtrack sowie Kamera, Licht- und Farbsetzung imitieren höchst überzeugend den Look der 1970er Jahre. Klug und reflektiert stellt Lee die aufrührerischen Reden des Klans den Protestveranstaltungen der Black-Power-Bewegung entgegen und bebildert so das mit Wut und Hass geladene Pulverfass, auf dem Amerika nicht nur damals saß. Spike Lee beendet seinen Film mit dokumentarischen Aufnahmen des Rechtenaufmarschs in Charlottesville 2017 und demonstriert, wie nah die filmische Vision der gesellschaftlichen Realität ist. Und darüber hinaus, wie kraftvoll, beeindruckend, hochaktuell und wichtig dieser Film ist. (fbw-filmbewertung)