DONNERSTAG / 1. Oktober / .. : ..

DER LETZTE MANN

Stummfilm

Live Pianobegleitung durch GERHARD GRUBER

Deutschland 1924

90 Minuten

Regie : Friedrich Wilhelm Murnau

Kamera : Karl Freund

Darsteller : Emil Jannings, Maly Delschaft, Georg John

 

Anfangs des 20. Jahrhunderts. Der alte Portier des Hotels "Atlantic" verdankt seiner prächtigen Uniform Selbstwertgefühl und Anerkennung: Vor der Drehtür des Hotels ist er stolzer Diener, der die Gäste begrüßt, zu Hause im Hinterhofmilieu ein viel bewunderter Mann. Doch eines Tages beobachtet der Geschäftsführer, wie schwer dem alten Portier das Hantieren mit den Koffern fällt: Er verbannt ihn daraufhin in den Keller, degradiert ihn zum Toilettenmann. In seinem Milieu wagt er nicht, den Abstieg einzugestehen. Als seine Tochter heiratet, stiehlt er die Uniform, um wenigstens hier den Schein zu wahren. Doch der Schwindel fliegt auf, er wird von seinen Hausbewohnern verlacht und gedemütigt, seine Verwandten wenden sich von ihm ab. Verzweifelt zieht sich der alte Mann in den Waschraum der Hoteltoilette zurück.

 

F. W. Murnau hat an diese Handlung, getrennt durch den einzigen Zwischentitel des Films, ein ihm aufgezwungenes, bitter-ironisches Happy End gesetzt: Auf der Toilette stirbt ein reicher Hotelgast in den Armen des Alten und vermacht ihm sein ganzes Vermögen. So wird aus dem "letzten Mann" ein umworbener Hotelgast.

 

DER LETZTE MANN gilt als Meilenstein in der Kinogeschichte und als Höhepunkt des deutschen Stummfilms. Friedrich Wilhelm Murnau inszeniert die Geschichte so eindringlich, dass er ohne Zwischentitel auskommt.

 

Einzige Ausnahme bleibt die ironische Ankündigung des Nachspiels. Schatten-Effekte, extreme Perspektiven, theatralische Bewegungen und Mehrfachbelichtungen werden geschickt eingesetzt. Hinzu kommt das damals vollkommen neue Element der "entfesselten Kamera", die zoomt und fährt, schwenkt und kreist. Diese Experimentierfreude dient jedoch nicht dem Selbstzweck, sondern dazu, die psychologische Entwicklung herauszuarbeiten und zu dramatisieren. "Ein wirkliches Lichtspiel, ein wirkliches Bewegungsspiel", hieß es am 24. Dezember 1924 im "Berliner Börsen-Courier".Berlin.