Festival DER NEUE HEIMATFILM 2019

DONNERSTAG / 22.08. / 20:15

FÜNF DINGE, DIE ICH NICHT VERSTEHE

deutsche Originalfassung mit englischen UntertitelnDeutschland 2018 / 71 Minuten

Regie : Henning Beckhoff

 

Weite Äcker, grüne Wälder - ein idyllischer Anblick. In einer Kleinstadt am Rande des Ruhrgebiets sucht Johannes, ein Junge vom Bauernhof, seinen Platz in der Welt. Sein Vater und sein Bruder interessieren sich nicht viel für ihn, die Mutter hat den Hof verlassen. Johannes verbringt viel Zeit mit seiner besten Freundin Marike, aber als aus der Freundschaft (nicht) mehr wird, weiß er nicht wohin mit sich. Er geht mit den Männern jagen, zieht mit seinem Bruder durch die Nacht und verschließt sich vor Marike. Er ist hin- und hergerissen zwischen Stadt und Land, zwischen Gegenwart und Tradition.

Beckhoff erzählt nicht nur vom Erwachsenwerden, sondern auch von bedrückenden Stimmungslagen und unterschwelligen Konflikten.

 

HENNING BECKHOFF

Geboren 1991 am Rande des Ruhrgebiets. Bis 2018 studierte er Regie an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Als freischaffender Regisseur, Autor und Produzent lebt und arbeitet er in Berlin. FÜNF DINGE, DIE ICH NICHT VERSTEHE ist sein Langfilmdebüt.

 

FREITAG / 23.08. / 20:15

TELL IT TO THE BEES

Der Honiggarten – Das Geheimnis der Bienen

englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

GB 2018 106 Minuten

Regie : Annabel Jankel

 

Schottland, 1952: Die junge Ärztin und Bienenzüchterin Jean kehrt in den Ort ihrer Kindheit zurück, um die Praxis ihres Vaters zu übernehmen. Als der in der Schule gemobbte Charlie als Patient zu ihr kommt, freundet sie sich mit ihm an und weiht ihn in die Kunst des Bienenzüchtens ein. Dabei lernt sei auch dessen alleinerziehende Mutter Lydia kennen, die es seit dem Scheitern ihrer Ehe nicht leicht hat. Als Lydia die Miete für sich und ihren Sohn nicht mehr bezahlen kann, nimmt Jean die beiden bei sich auf. Die beiden Frauen kommen sich näher und es entsteht eine gegenseitige Zuneigung, die von ihren konservativen Mitbürgern nicht übersehen – und ebenso wenig toleriert wird. Packend erzählt Jankels feinfühliger Film vom Kampf gegen die Moralvorstellungen in den 50ern.

 

ANNABEL JANKEL

Geboren in London 1955. Die britische Film- und TV-Regisseurin, die mit ihren Musikvideos für Größen wie Talking Heads oder Miles Davis bekannt wurde, lebt in London und Los Angeles. TELL IT TO THE BEES feierte beim Filmfestival in Toronto Premiere.

 

SAMSTAG / 24.08. / 20:15

EINE EISERNE KASSETTE

Dokumentarfilm

Österreich Deutschland 2018

102 Minuten

Regie : Nils Olger

 

Als sein Großvater verstirbt, stößt Nils Olger in dessen Nachlass auf eine Rolle mit Fotografien, aufgenommen beim letzten Kriegseinsatz zwischen März 1944 und April 1945. Die fotografischen Negative dienen dem Filmemacher als Ausgangs- und Anhaltspunkte, er folgt deren Spur an die Orte ihrer Entstehung. Die Reise führt von Österreich über Ungarn nach Italien und zurück nach Österreich.
Als Sanitäter der Aufklärungsabteilung der 16. SS-Panzergrenadier-Division war der Großvater eingerückt. Jener Einheit, die die schlimmsten Kriegsverbrechen von NS- Truppen an der Zivilbevölkerung auf italienischem Boden verantwortete. EINE EISERNE KASSETTE ist nicht nur die Aufarbeitung einer Familienbiografie, sondern thematisiert auch die Verdrängung österreichischer NS- Geschichte. Ein Film gegen das Schweigen und Vergessen.

 

Als Olaf Jürgenssen, der Großvater des Filmemachers Nils Olger, verstirbt, zeigt die Großmutter dem Enkel eine bisher im Wandschrank verwahrte eiserne Kassette mit Briefen, Ausweisen und ein paar Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg: „Da hast du nun all unsere Geheimnisse.“ Im Nachlass des Verstorbenen findet Olger eine Rolle mit unbeschrifteten Kleinbildnegativfilmen. Insgesamt 377 Fotografien sind es, aufgenommen beim letzten Kriegseinsatz des Großvaters zwischen März 1944 und April 1945. Um zu erfahren, was der Großvater nach dem Krieg im Verborgenen halten wollte, folgt Olger der Spur der Negative und begibt sich an die Orte ihrer Entstehung. Eine Reise, die ihn von Österreich nach Ungarn und Italien führt. Als Arzt der Aufklärungsabteilung der 16. SS-Panzergrenadier- Division „Reichsführer SS“ war der Großvater eingerückt. Jener Einheit, die die schlimmsten Kriegsverbrechen von NS-Truppen an der Zivilbevölkerung auf italienischem Boden verantwortete. Und jener Einheit des einstigen SS-Kommandeurs Walter Reder, der – verurteilt als Kriegsverbrecher vor einem Militärgericht in Bologna – unter skandalösen Umständen 1985 nach Österreich zurückkehrte und vom damaligen Verteidigungsminister Friedhelm Frischenschlager mit einem Händedruck in Empfang genommen wurde.
Entlang der Fotografien gelingt es Nils Olger, den Weg seines Großvaters präzise und chronologisch nachzuzeichnen. Station für Station untersucht er die fotografischen Perspektiven und die gezeigten Motive: Landschaften, Gebäude, Bevölkerung und Kameraden. Als Stimme aus dem Off arbeitet der Filmemacher gegen die Leerstellen und Auslassungen seiner Familienbiografie an, die den stummen Bildern innewohnen. Mit penibel recherchierten Zahlen und Fakten setzt er die Momentaufnahmen in den Kontext der dahinterliegenden Schreckensgeschichte der NS-Einheit. Er spricht mit Menschen vor Ort – auch mit Zeitzeug/innen, die das mehrere Tage andauernde Massaker in Vinca im August 1944 überlebten. Ein Bild von Olaf Jürgenssen aus dieser Gegend zeigt die umliegende italienische Berglandschaft in erschütternd unberührter Idylle.
Wenige Jahre vor dem Tod des Großvaters, als die eiserne Kassette noch im Wandschrank lag, hatte sich der Filmemacher bereits für dessen Kriegsvergangenheit interessiert. Auszüge aus dem dabei entstandenen Videomaterial montiert Nils Olger in seinen Film: Ausweichend und lückenhaft beantwortete Jürgenssen damals die Fragen des Enkels. Eine eiserne Kassette ist nicht nur die Aufarbeitung einer persönlichen Familienbiografie, sondern thematisiert auch die Verdrängung österreichischer NS-Geschichte. Ein Film gegen das Schweigen und Vergessen – in der Vergangenheit wie in der Gegenwart.


NILS OLGER
Filmschaffender und Künstler, lebt und arbeitet in Wien. Studium von Postconceptual Art Practices, Neue Medien und Soziale Arbeit. Bewegt sich in Film-, Polit-, Redaktions- und Performancekollektiven. EINE EISERNE KASSETTE ist sein erster Lang-Dokumentarfilm.