NARZISS UND GOLDMUND

Deutschland 2019

118 Minuten

Regie : Stefan Ruzowitzky

Darsteller : Sabin Tambrea,Jannis Niewöhner

 

Oscar-Gewinner Stefan Ruzowitzky verfilmt Hermann Hesses weltbekannte gleichnamige Erzählung.

 

Hermann Hesse gilt als der meistgelesene und meistübersetzte deutsche Autor. Seine Erzählung "Narziss und Goldmund" war nach dem Erscheinen ein Bestseller und ist bis heute sein populärstes Buch. Insbesondere in den späten 1970er-Jahren erlebte Hesse im Zusammenhang mit der Hippiebewegung eine weltweite Renaissance. Jetzt ist der Roman verfilmt worden.

 

Eine karge Abtei im Mittelalter. Der junge Goldmund wird von seinem gewalttätigen Vater in das abgelegene Kloster abgeschoben. Hier lernt er seinen Mitschüler Narziss kennen. Die entsagungsreichen Lehrjahre, die drakonischen Strafen und die strengen Rituale der Chor-Gebete schweißen die beiden zusammen.

 

Hinter den Klostermauern von Mariabronn schließen die beiden Schüler eine lebenslange Freundschaft. Dabei könnten sie unterschiedlicher kaum sein. Narziss steht für das Geistliche und den Intellekt, der blonde Goldmund für das Leben und die Sinnlichkeit. Bald verlässt er die Abtei, um in die Welt hinauszugehen und sich auf die Suche nach seiner Mutter zu machen. Er wird Meisterschüler eines Bildhauers und Schreibers. 

 

Der österreichische Regisseur Stefan Ruzowitzky, der mit dem KZ-Drama "Der Fälscher" 2008 einen Oscar gewann, wollte alles andere als eine blutleere Literaturverfilmung. "Ich möchte so richtig schönes Gefühlskino machen", sagt Ruzowitzky. "Mit tollen Kostümen und wunderbaren Schauspielern."

 

Konsequenterweise hat der Film vor allem den lebenslustigen Goldmund im Blick. Jannis Niewöhner spielt ihn als blonden Abenteuerhelden. In Rückblenden erzählt er dem Freund von seinen dramatischen Erlebnissen, von seiner Leidenschaft für die Künste und vor allem für die Frauen.

 

Die märchenhafte Verklärung des Mittelalters und die etwas schwülstige Erotik sind in der Literaturvorlage angelegt. So schwelgt der Film in Liebesszenen mit viel nackter Haut. Aber Ruzowitzky liebt auch die Schockmomente, wenn er ausführlich die blutigen Striemen der gefolterten Klosterschüler zeigt oder die schwarzen Pestbeulen der Toten. Schaurig düsteres Mittelalter voller Gewalt, Tod und Mord.

 

Der im Roman geschilderte Zwiespalt zwischen Sinnlichkeit und Intellekt, sowie auch die homoerotischen Momente in der Freundschaft von Narziss und Goldmund werden im Film heruntergespielt. Hesses damalige Auseinandersetzung mit der Tiefenpsychologie und fernöstlichen Philosophie bleibt ausgeblendet.

 

Ruzowitzky setzt vielmehr auf große Ausstattung und pralle Kinobilder, unterlegt von einem sakralen Soundtrack. Das ist ein bisschen kitschig, manchmal drastisch, aber durchaus packend. Hermann Hesse für die große Kinoleinwand. (ndr.de/kultur)